Kitzhorn-Challenge

 

Zum zweiten Mal bin ich also am Start zur Kitzhorn Challenge. Erst selber aufs Horn radeln, danach den Profis bei der Zielankunft der ÖR-Königsetappe zusehen. Klingt nach Vergnügen, ist es auch…zum größten Teil. Das Wetter wunderbar, die frühe Ankunft in Kitzbühel gibt Gelegenheit für den einen oder anderen Cappuccino. Das Startpaket mit Trikot wird abgeholt, traditionell ziehen sich alle Starter (an die 600) beim Rennen das Krone Kitzhorn Trikot an. Gesagt getan…naja die bestellte Größe M hat etwas Übergröße, die Rückentaschen sind nun eher Oberschenkeltaschen, aber da muss ich jetzt durch. Zudem ist die Beinrasur nicht gerade aktuell – also rein optisch – frage nicht. Ich versteck mich in der Mitte im Startblock und ab dem Start um exakt 12:00 ist das dann sowieso nebensächlich. Das Ziel, die 40 min sollen fallen, dann will ich unbedingt bester Peto-Fahrer werden…und die Siegerin des letzten Jahres, Simone Käferböck…naja, die würd ich heuer schon auch gern schlagen. Das Profil der Strecke ist leicht erklärt – „auffi halt“. 920 Höhenmeter auf 7,5 km Streckenlänge, durchschnittlich 12,5 % Steigung, steilste Rampe 22,3 %. Vom Stadtzentrum wird neutralisiert geradelt bis zum offiziellen Startpunkt der Zeitnehmung bei den Strommasten. Ab da geht’s richtig zur Sache, der Plan das Rennen als Zeitfahren anzugehen ist nicht leicht umzusetzen, die Meute gibt Gas…und auch wenn man ja ganz genau weiß, viele werden den schnellen Start bereuen…zieht man doch irgendwie mit. Danach beginnt der Kampf Kopf gegen Beine, der Kopf sagt…300 W sind zuviel…aber die Beine sind übermotiviert und hören nicht zu. Schlußendlich läuft das Rennen auf einen 20 min Maximalleitungstest hinaus (mein Garmin hat mich anschließend auch sehr gelobt), mit dem Handicap, das man anschließend halt nochmal 20 min fahren muss… Aber insgesamt ging es ganz gut…auf den letzten zwei Kilometern, die angenehmerweise auch die steilsten sind, und speziell beim Knödelfleischgraben (ein schöner Name) mit den 22 %, versteht dann jeder was „Übersäuern“ bedeutet und wie sich das anfühlt. Im Ziel ist man dann doch glücklich. Die 40 min sind gefallen, die Siegerin bei den Damen (auch heuer wieder Simone Käferböck)…hinter mir J. Bester Peto-Fahrer bin ich auch…was zugegebenermaßen als einziger Starter des Teams nicht so schwer war. Eine 38er-Zeit wär ich insgeheim schon ganz gern gefahren…aber nächstes Jahr habe ich ja wieder die Möglichkeit. Bei den Männern gewinnt wieder Lindner Paul, mit einer Bomben 32er Zeit. Im Ziel wird als erstes wieder das geliebte Peto-Trikot übergestreift, dann bleibt nur Schnitzelsemmel essen, in der Sonne sitzen und auf die Profis der ÖR warten. Dann schon sehr imposant, wie diese nach dem Glockner nun auch noch aufs Horn radeln, voran der siegreiche Spanier. Aber auch interessant zu sehen, wie die letzten des Feldes ins Ziel kommen. Da sieht man was diese Jungs leisten…und was es heißt, wenn der Akku leer und die Körner verbraucht sind.

Danach wird heimgeradelt, seit dem Kaunertaler und dem „ausradeln“ mit Daniel weiß ich…regeneriert wird bei Peto mit mindestens 200 Watt…auch getrieben von der Vorfreude auf die die Wurst die mich daheim erwartet. Der Moderator im Ziel hat die Lust darauf mit der Erklärung angefacht, das früher die Sieger von Radrennen mit einer Wurst statt Geld belohnt wurden. Es geht „um die Wurst…“, das weiß ich seither auch.

Bei der Heimfahrt wurde ich dann zufällig Zeuge, wie die Fahrer eines Profiteams vor einer Pension aus dem Teambus steigen…und ganz einfach über die Straße „gehen“. Man glaubt oft, die machen so Rennen mit links…aber wenn man das gesehen hat, weiß man…der Traum von einer Buchhalterlehre ist ihnen in diesem Moment näher als der vom Radprofi. Aber ganz sicher auch weiß man…nach ein paar Stunden und spätestens am nächsten Tag…ist alles wieder ganz anders…und Rennradfahren einfach das Schönste Hobby und für manche der schönste Job, den man sich vorstellen kann…

Konrad Kröll

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